Maastricht_Niederlande

Marie in Maastricht | Niederlande | Graphic/Illustration

Mein nicht ganz so weites Ziel für mein Auslandssemester hieß Maastricht. Eine kleine, jedoch sehr süße, internationale Stadt, in den Niederlande. Von Aachen aus ist es nur noch knapp eine Stunde mit dem Bummelzug in das Städtchen, das für die nächsten fünf Monate meine Heimat sein sollte.

So richtig fühlte es sich nicht an, als ginge es wirklich ins Ausland für mich. Aber auf eine neue Umgebung und neue Leute freute ich mich dennoch. „Einfach nochmal raus aus dem Alltag“, das war der Plan.
Am 1. September sollte es für mich losgehen. Also packte ich meine Sachen für den bevorstehenden Umzug Mitte August. Da gibt es nur ein Problem, Maastricht hat ungefähr doppelt so viele Studenten als Zimmer, also saß ich auf gepackten Koffern und verzweifelte fast an der Wohnungssuche. Da blieb mir nichts anderes übrig, als das von der „Zuyd Hogenschool“ angebotene Zimmer zu nehmen. 350 Euro für ca. 12qm, immerhin mit eigenem Bad, in einem Haus mit 140 anderen Exchange Students. Für diese nicht gerade zentral liegende Wohnsituation sehr teuer aber auch nicht sehr ungewöhnlich für die Stadt mit 30.000 Studenten. Pro Etage wohnen 20 sehr liebe Leute, mit denen ich mir eine Küche teile. Die „Floor-Language“ ist dementsprechend Englisch und auch in der Hogenschool hört man nichts anderes.

unter Holländerinnen

Ich bin Teil einer „Klasse“, welche aus 12 Mädchen besteht. Ein Glück alles Holländerinnen, so hört man auch mal die Landessprache, was sehr unüblich in Maastricht ist, aufgrund der ganzen internationalen Studenten. Ungewöhnlich auch, dass es keine Quotenmänner gibt, aber wie sich später herausstellte, sind alle Jungs freiwillig gegangen oder haben sich für eine andere Design Richtung entscheiden.

Man kann (leider) nur zwischen zwei Wegen wählen, welche sich „Foto/Editorial“ und „Graphic/Illustration“ nennen. Da ich vorher herausgehört habe, dass es sich bei dem Wort „Editorial“ um Film handelt, entschied ich mich also für die andere Richtung. Selbst dort ist man dann fest an ein System gebunden und es gibt keine Möglichkeit sich die Kurse eigens zusammenzustellen. Dies bedeutet, dass ich für die nächsten Monate in den Bereichen Typografie, Fotografie, Grafikdesign und Illustration arbeiten werde. Dazu kommt ein theoretischer Kurs, den ich bis heute nicht benennen kann.

überdimensionalen Werkstätten

Das gute an der Kurst“wahl“: man muss sich eben auch in Richtungen entwickeln, die einem eigentlich nicht liegen, was eventuell den Horizont erweitern. Schade an der Auswahl: so richtig gibt es eben keine und man macht, wenn man hier 4 Jahre seinen Bachelor absolviert, fast jedes Semester das Gleiche. Außerdem sind nicht nur die Kurse vorgegeben, sondern auch die zu bearbeitende Themen. Anders als an der Fakultät Gestaltung in Würzburg wählt man sich keine eigenen Themen, mit denen man sich dann das ganze Semester beschäftigt, sondern die Dozenten überlegen sich Themen, die man dann in einem Block von ungefähr 5 Wochen bearbeitet.

Die Aufgaben bestehen dann zum Beispiel darin, Illustrationen zur Niederländischen „Health Care“ oder Musikfestivals zu machen, oder aber ein (sehr individuelles) Portfolio zu erstellen, oder aber sich mit einer (natürlich auch vorgegebenen) Schrift zu befassen. Was man dann daraus macht, ist einem dann am Ende jedoch selber überlassen. Für mich war es Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und auf gewisse Weise vermisse ich das freie und vor allem tiefgründige Arbeiten, an einem Thema, welches mich wirklich interessiert. Jedoch ist es vielleicht auch nicht schlecht diese Seite der Medaille noch besser kennenzulernen, da es vielleicht einem Agenturleben mehr ähnelt. Schnelleres produzieren, Themen die andere (später eben Kunden) vorgeben und Konzepte, die durch die fehlende Zeit eben auch die gewisse Tiefgründigkeit vermissen.

Der wohl schönste Aspekt dieser Hochschule sind die überdimensionalen Werkstätten, in denen man alles, aber auch ALLES machen, basteln, drucken, töpfern, schreinern, nähen und lernen kann. In diesen Werkstätten verbringen Anna (Laumer, auch aus Würzburg) und ich die meiste Zeit. Wir wollen alle möglichen Drucktechniken lernen, unser Geschick in der riesigen Töpferwerkstatt verbessern und zu gegebener Zeit auch die Holz- und Metallwerkstatt austesten.

von veganen Kochkursen und Flohmärkten

Die Stadt an sich ist sehr schön, romantisch und belebt. Man fühlt sich schnell Zuhause, auch weil es sehr leicht ist Kontakte und vielleicht auch Freundschaften zu knüpfen. Es gibt einige Clubs, die Parties schmeißen zu denen dann ganz Maastricht geht aber auch die besseren spannenderen Hausparties, auf denen man viele Gelegenheiten hat um Leute kennenzulernen. Außerdem bietet Maastricht viele andere schöne Angebote, wie vegane Kochkurse, Künstlerkinos, Uni Sport, Flohmärkte und Festivals. Also alles in allem eine super Stadt zum Studieren und leben.