Forschungsprojekt „Kommunikationsdesign und Ethik – Ethik des Kommunikationsdesigns“

Forschungsprojekt „Kommunikationsdesign und Ethik – Ethik des Kommunikationsdesigns“

Gegenstandsbereich:

Kommunikationsdesign findet in vielfältigen Tätigkeitsfeldern statt: Printmedien, elektronische und digitale Medien, Werbung, Corporate Design; Museen, Ausstellungen und Messen. Kommunikationsdesigner entwerfen Informations- und Orientierungssysteme, visuelle Erscheinungsbilder, Werbemaßnahmen verschiedener Art, multimediale Anwendungen, Gebrauchsanweisungen und Lehrmittel, Bücher und Zeitschriften (editorial design). Kommunikationsdesigner stellen wissenschaftliche Illustrationen und Sachfotografie, Filme und Videos her. Sie gestalten ästhetische Mitteilungen sowie interaktive audiovisuelle Medien.  

Im Design geht es aber nicht nur um das Nützliche und Schöne, sondern auch um das Richtige und das moralisch Vertretbare. Es lässt sich nicht auf Fragen der Funktion und der Ästhetik beschränken. Dies gilt für Artefakte ebenso wie für Lebensformen. Kommunikationsdesign kann als normativ-ethischer Indikator betrachtet werden, denn es gibt Auskunft über moralische und ethische Befindlichkeiten unserer Lebenswelt. Es umfasst werbliche, bildtheoretische, instruktive und ästhetische Bereiche und soll auch Aufklärung und Information bieten. In allen Bereichen des Kommunizierens sind normative Fragen inbegriffen und relevant, denn stets geht es um die Bewertung der kommunikativen Zwecke und der benötigten Mittel. Dabei spielen Aspekte wie Information, Instruktion, Persuasion und Manipulation eine Rolle.

 

Forschungsdesiderat:

Es ist unstrittig, dass die multimediale Arbeit im Bereich der visuellen Kommunikation kulturell und sozial verantwortungsvoll ist. Was jedoch bislang fehlt, ist ein Konsens über ethische Kategorien und Kriterien, die klare Orientierungen beim individuellen und kooperativen Handeln ermöglichen: Was sollten Kommunikationsdesigner tun oder nicht tun? Wo verlaufen die Grenzen, die regeln, was man zeigen oder nicht zeigen, sagen, andeuten und bewirken soll? Was sollte Kommunikationsdesign erreichen? Welche kulturelle, welche moralische Verantwortung tragen Kommunikationsdesigner? Und wer ist der konkrete Träger von Verantwortung?

Das Forschungsprojekt „Kommunikationsdesign und Ethik – Ethik des Kommunikationsdesigns“ ist im Bereich der angewandten Ethik angesiedelt. Den Kern bildet die Zusammenarbeit zwischen Vertretern der Philosophie, der Gestaltung und der Kulturwissenschaft. Als Bezugspunkte für die Frage nach einer Ethik des Kommunikationsdesigns bieten sich verschiedene Ethik-Modelle aus der neueren Philosophie an; insbesondere kommen deontologische, utilitaristische, kontraktualistische und (sozial-)funktionalistische Konzeptionen in Betracht. Das Forschungsprojekt geht von der Hypothese aus, dass die erfolgversprechendste Kandidatin für eine Ethik des Kommunikationsdesigns eine Ethik der Kommunikation ist.

Ziele des interdisziplinär angelegten Forschungsvorhabens sind Einsichten im Hinblick auf einzelne Aspekte des Forschungsfeldes (Aufklärungskampagnen, PR, Werbung, Medien etc.) und darüber hinaus die Frage, ob ein Ethik-Kodex des Kommunikationsdesigns und der visuellen Kommunikation entworfen werden kann. In das Forschungsvorhaben eingeschlossen sind Erprobungen des Entwurfs mit Blick auf die Tätigkeitsbereiche heutiger Kommunikationsdesigner. 

 

Ausblick

Kommunikationsdesigner müssen sich heute und in Zukunft mit veränderten kulturellen Leitdiskursen auseinandersetzen, hinter denen die Erfahrungen des interkulturellen Austauschs stehen. Daher wird verstärkt auf die besonderen Bedingungen weltweiter Verständigung zu achten sein. Besonderheiten anderer Kulturen mit ihrem je eigens zu reflektierenden Wertekanon und den entsprechenden formalen Ausprägungen stellen Herausforderungen an den ethisch reflektierenden Nachwuchs dar: Speziell für die kommende Generation wird die Einsicht in die ethischen Verbindlichkeiten anderer kultureller Horizonte von entscheidender Bedeutung für das Gelingen von Kommunikationen sein. Für das Forschungsprojekt hat  daher die Förderung des gestalterisch-wissenschaftlichen Nachwuchses besondere Bedeutung. Dies kommt durch die Vergabe von Aufgabenstellungen für thematisch einschlägige Master-Abschlussarbeiten im MA-Studiengang „Informationsdesign“ der Fakultät Gestaltung der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg und durch Ethik-Vorlesungen in der Lehre zum Ausdruck.