Ethik und Digitalisierung

Soziale Informatik und Digitale Mündigkeit - Wie soll das Leben sein? fragt Dr. Christian A. Bauer

Plädoyer für eine neue Disziplin - die Soziale Informatik

Dr. Christian A. Bauer referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Ethik & Digitalisierung“ zum Thema „Soziale Informatik und Digitale Mündigkeit. Anforderungen an Lehrende und Lernende“. Seine Hypothese: „Eine zukunftsfähige Hochschule muss Kriterien des know what und des know why angeben können. Wir brauchen neben digitalem know how auch ethisches Handlungs-, Orientierungs- und daraus erwachsendes Entscheidungswissen. Eine jede Gesellschaft benötigt eine Verständigung darüber, welche Ziele und Zwecke sie verfolgt.“ Und sein Wunsch: Auf Basis einer Demokratie mit handlungs- und entscheidungsfähigen Individuen wie Gesellschaften die Soziale Informatik als eine neue Disziplin zu begründen, die sich damit zu befassen habe, „dass sukzessive alle Dinge des Lebens und Arbeitens in Daten verwandelt werden.“

Dr. Bauer führte weiter aus: „Die Soziale Informatik könnte eine Disziplin sein, in der man zu erörtern versteht, wann technologische Fragen, die vornehmlich die `Infosphäre` berühren, durch ein Mehr an Technologie und Informatik zu bearbeiten sind und wann Fälle eintreten, die nur durch die menschliche Urteilskraft bearbeitet werden können. Denn der Mensch kommt immer dann ins Spiel, wenn es um die Übernahme von Verantwortung geht.“ U.a. an Hochschulen werde Wissen gesammelt und produziert, und es komme immer darauf an, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in politische Steuerungsfähigkeiten zu übersetzen. Grundlage bilde hierfür eine Gesellschaft 4.0 mit digitalkompetenten, datensouveränen, mündigen Nutzern, Konsumenten, Bürgern. Im Bildungssektor plädierte der Referent für die Formulierung neuer Bildungsideale, in der es nicht dazu kommen dürfe, dass „alles zum Mittel wird und in der nichts mehr Zweck ist.“ „Es zeichnet sich im Zuge der Digitalisierung und der Virtualisierung unserer Lebenswelt ab, dass eine Vielzahl von Dingen auf einmal für uns relevant werden, mit denen wir uns bis vor kurzem nicht befassen mussten, weil die Informations- und Kommunikationstechnologien noch nicht dermaßen stark unsere Umgebungen und Umwelten beherrschten.“

Am Beispiel selbstfahrender Autos oder autonomer Drohnen sieht er große Veränderungen im Hinblick auf Verantwortung, Schuld und juristische Konsequenzen von Handlungen: „Die Revolution, die wir derzeit erleben, ist die: Wir fangen an, nicht-menschliche und außer-menschliche Akteure genauso zu behandeln, wie Menschen selbst. Das ist eine echte Revolution, die unsere moralischen wie ethischen Maßstäbe auf den Kopf stellt.“ Die Schuldfrage stelle sich ganz neu: „Wer übernimmt den Schaden, wenn ein selbstfahrendes Automobil einen Unfall produziert? Wer ist denn faktisch an derartigen Diskussion über die Einführung selbstfahrender Fahrzeuge beteiligt: Sind es die Technologen selbst, sind es Ethiker, die Rechtstheoretiker, Versicherungsmathematiker, die sich auf einem öffentlichen Schauplatz tummeln?“

Dr. Bauer fasste zusammen: „Wann immer neue Technologien eingeführt werden, steht eine Diskussion über Chancen und Risiken ins Haus.“ und zitierte abschließend den Technikphilosophen Günther Anders: „Unterbinde das Entstehen von solchen Situationen, in denen moralisch zu sein nicht mehr möglich ist, und die sich daher der Kompetenz moralischer Beurteilung entziehen.“

Quelle: FHWS, Pressemeldung FIW, Pressemeldung, Archiv, Pressemeldung FG

Di. 01.12.15 - 17:15 Uhr

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Referent: Prof. Dr. Harald Bolsinger

Di. 08.12.15 - 17:15 Uhr

Soziale Informatik und Digitale Mündigkeit - Anforderungen an Lehrende und Lernende

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Di. 20.10.15 - 17:15 Uhr

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