HERBARIUM DIGITAL
Wednesday, February 6th, 2008 by Georg Reil
ANSATZ
Das Geflecht aus verschlüsselten und unverschlüsselten Wireless-LANs ist in den meisten Städten längst flächendeckend. Digitale Inhalte durchdringen dort überall in Form elektromagnetischer Wellen den realen Raum, befinden sich in permanenter Bewegung zwischen Clients und Servern und bleiben die längste Zeit ihrer Reise durch den Äther unsichtbar. Lediglich eine Handvoll Schnittstellen, meist in Form von zweidimensionalen Displays, lassen eine Manifestation dieser Daten in einer für uns gewohnt formatierten Darstellung zu. Es bleibt kaum vorstellbar, wie viele in elektrische Impulse zerlegte Informationen ohne Unterlass um uns herum und durch uns hindurch jagen. Denn Computernetzwerke sind zwar allgegenwärtig, unser einziger Berührungspunkt mit ihnen bleibt jedoch im beschränkten Rahmen eines virtuellen Fensters.
Every large city of our time is already covered by a network of public and private wireless LANs. Binary data penetrates the urban space in terms of electromagnetic waves, always in motion between clients and servers and most of the time invisible . Just a few interfaces, mostly two dimensional displays, provide direct access to this information in a shape we can comprehend. It is hard to imagine the amount of information in the form of simple pulses which is surrounding us at any time in any place. Even though computer networks are everywhere, the only points of contact to them are framed digital windows.

KONZEPT
„Herbarium digital“ will den Rahmen des PC-Fensters sprengen und einen neuen Berührungspunkt mit der virtuellen Welt schaffen. Digitale Informationen werden losgelöst von ihrer eigentlichen Botschaft betrachtet und zum Gestaltungsmittel in einer eigenen Zeichensprache, definiert durch ihre mediale Beschaffenheit. Dazu wird in Echtzeit der Datenfluss eines W-LANs analysiert und in Form von floralem Wachstum visuell umgesetzt. Jede im Netzwerk übertragene Datei erzeugt eine Blüte, deren Aussehen sich aus deren Datentyp und deren Ausmaß sich aus deren Datengröße ergibt. Die Visualisierung findet nicht am Bildschirm statt, sondern wird in den Raum hinein projiziert und orientiert sich dabei an bestehenden baulichen Strukturen, wie Ecken, Türen, Vorsprüngen etc. Tritt eine Person an die Projektion heran, so beginnt diese darauf zu reagieren. Je nach Position des Nutzers sortiert sich das florale Gebilde nach einem bestimmten Datentyp und gibt somit die Möglichkeit die Bedeutung der verschiedenen Blüten zu entschlüsseln. Durch die Interaktion mit Architektur und Nutzer verschmilzt die Projektion mit der Realität und ist nicht mehr nur das zweidimensionale Fenster in den virtuellen Raum.
“Herbarium digital“ wants to go beyond the limits of common computer windows and it creates a new point of contact to the cyber space. It uses digital data not in the way of a common medium for a special message, but as an instrument of a new sign language. The data traffic of a wireless LAN is analysed in real time and translated into graphics similar to floral growth. Each data file transmitted via the network creates its own bloom, whose appearance is defined by the data type and the file size. This is not happening on a common computer display, but is directly projected onto a room, geared to structural elements like corners, edges and doors. The projection reacts if a person steps towards it. Dependent on the users position the floral structure aligns itself in a way which offers the viewer a possibility to decode its meaning. Because of the interaction with the architecture and the user, the projection fuses with the real space and is not any longer a two dimensional window to the cyber space.
AUFBAU
Die gesamte Anwendung setzt sich zusammen aus vier einzelnen Programmen, allesamt geschrieben mit der Java-Entwicklungsumgebung Processing: Einem Client der Canivore-Bibliothek, zuständig für das parsen des Netzwerk-Traffics. Einer Art Paint-Anwendung, in der sich die Raumstrukturen nachzeichnen lassen. Einem Tracking-Programm zum erfassen der räumlichen Nutzer-Position und schließlich der Kernanwendung zur Visualisierung der Daten.
The whole application consists of four single programs written with the java developer tool Processing. A Carnivore client used to parse the network traffic. A paint application to trace the structural elements of the room the projection is placed in. A tracking application to locate the position of any user in front of the projection. And the last: the main application, which visualizes the data.

(paint, parser, main application, camera tracking)
AUSBLICK
Einsatzszenarien für „Herbarium digital“ bieten sich überall dort, wo größere Hot-Spots eine Mehrzahl von Rechnern miteinander verbinden und dementsprechend viel unterschiedlicher Netzwerk-Traffic vorhanden ist. Interessant wäre es in diesem Zusammenhang, die Visualisierung nach außen hin sichtbar zu machen, also z.B. auf Fassaden öffentlicher Gebäude zu projizieren, um zusätzlich das verborgene Innenleben dieser Einrichtungen sichtbar zu machen. Voraussetzung hierfür wären zum einen Dunkelheit, sowie ein besonders lichtstarker Projektor, wie man ihn vom L.A.S.E.R. Tagging des Graffiti Research Labs kennt. Eine Kooperation in dieser Richtung wäre sicherlich spannend …
Possible fields of application for „Herbarium digital“ are wireless LAN hot spot, which connect a larger number of computers and as a consequence contain a multitude of different traffic. In this context it would be interesting to show the visualisation in urban space, i.e. to project onto the front of public buildings, to make activities hidden inside visible. Two other requirements would be necessary: darkness and a projector with high luminance, similar to the one used by Graffiti Research Lab for their L.A.S.E.R. Tagging. A cooperation would be very interesting …

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