Ausgangspunkt Getreideplotter
Besonders reizvoll an der Idee des Getreideplotters war die Tatsache, den Rohstoff, das Getreide, anfassen zu können. Das bisherige Konzept sah einen 3D-Display vor, der sich langsam aufbaut. Die Getreideberge anzufassen und zu verändern hatte dabei keinen Nutzen – im Gegenteil, die Darstellung würde dadurch sogar verfälscht werden.
Direkte Interaktion mit Getreide

Das Anfassen und Dosieren von Getreidemengen sollte ins Zentrum der Anwendung rücken. Direkt mit den Händen wird Getreide aus einer größeren Menge geschöpft und in ein Behältnis gegeben. Ausgehend von der Getreidemenge werden statistische Daten aufgezeigt. Ein Korn könnte beispielsweise für eine Tonne Weizen stehen – ein Sack voll für das Getreide der ganzen Welt. Eine bestimmte Menge an Körner steht dann für ein bestimmtes Land. Ein sehr einfaches und intuitiv zu bedienendes Interface würde entstehen: über das Verändern der Getreidemenge werden Informationen zu unterschiedlichen Ländern abgerufen.
Das Abfragen von statistischen Werten wird in diesem Fall quasi umgekehrt. Der Benutzer fragt nicht nach Daten eines konkreten Landes, sondern gibt eine Menge vor und bekommt das Land zu dem diese gehört. Dadurch lernt er Ländern kennen, nach denen er vielleicht nicht konkret gefragt hätte.
Durch die Reduktion auf ein konkretes Land ist es auch möglich den Fokus auf kleine Länder zu legen.
Realisation
Über das Gewicht der Weizenkörner könnte deren Menge ermittelt werden. Eine Waage könnte sichtbar mit eingebunden werden oder unter dem Auffanggefäß platziert werden.
Auffangbehälter
Da sich die Körner in alle Richtungen verteilen, wenn sie auf eine plane Fläche fallen, ist ein Auffangbehälter für die Umsetzung sehr wichtig.

Stroh- oder Weidekörbe würden die Natürlichkeit der Partikel unterstreichen und dämpfen den Fall gleichzeitig ab.

Glas-Gefäse machen die Getreideberge auch von außen sichtbar. Ein schmaler Behälter könnte als eine Art Säule dienen, hat aber den Nachteil, das es schwierig wird, rückwirkend Getreideportionen zu entnehmen.

Zum Rohstoff Nahrung würde auch ein Teller zum Auffangen der Körner passen.
Ein weiterer Test wurde mit einer lasierten Tonschale unternommen. Durch das Prasseln der Körner entsteht ein sehr angenehmer, heller Klang, der den Vorgang des Körnerrieselns akustisch unterstreicht.

Die Waage zur Ermittlung der Körnermenge könnte auch aktiv mit in die Anwendung eingebunden werden.
Eine Balkenwaage würde den Vergleich zweier Länder ermöglichen. Auf der einen Seite könnte ein Referenzland eingestellt werden, auf der anderen weitere Länder im Vergleich. Der Unterschied wird zusätzlich durch den Kippwinkel der Waage kommuniziert.

Gemäß dem klassischen Funktionsprinzip einer Balkenwaage wäre denkbar Gewichte mit den unterschiedlichen Ländern zu beschriften. In eine Waagschale könnte Getreide gegeben werden, über die andere könnte der User austarieren, welchem Land diese Menge entspricht.
Output
Wie wird kommuniziert, um welches Land es sich handelt? Wo können Zusatzinformationen kommuniziert werden?

Denkbar wäre, dass das Getreiderieseln als reines Interface dient und weiterer Output über einen klassischen Monitor, bzw eine Projektion an die Wang geschieht. Auf diese Weise wäre die Informationsdichte sehr variabel. Parallel könnte eine Weltkarte angezeigt werden, um welches Land es sich gerade handelt.
Will man nur das entsprechende Land kommunizieren, könnte ein LED-Display dessen Namen anzeigen. Auch ein akustischer Output wäre denkbar. Sobald das Gefäß länger als eine halbe Sekunde in einem Zustand bleibt, wird das Land ausgesprochen.
Eine weitere Idee wäre auf den Getreideberg zu projezieren. Dabei müsste die Informationsdichte deutlich reduziert werden auf kurze Worte, Zahlen und Piktogramme. Über die Flaggen könnte das Land visualisiert werden, ohne eine komplette Karte zu benötigen.

Es wäre auch eine Mischform möglich: Kurze, zentrale Informationen werden direkt auf das Getreide projeziert, ausführlichere seitlich daneben auf den Untergrund.
Dem Prinzip einer Balkenwaage entsprechend könnte ein Balken dem aktuellen Gewicht entsprechend abgelenkt werden. Wird an das andere Ende des Balkens ein Stift gesetzt und läuft unter diesem Stift ein Papier durch, könnte ein EKG-ähnliches Bild der Verhältnisse unterschiedlicher Länder aufgezeigt werden und wie lange der User bei einzelnen Ländern verharrt ist. Diese abstrakte Form der Aufzeichnung könnte auch im Nachhinein ausgelesen werden.
Szenarien
History

Legt der Benutzer beim Befüllen des Behälters eine kurze Pause ein, wird ihm das zur jeweiligen Menge an Getreide passende Land angezeigt. Über die Getreidemengen wandert der User von einem Land zum anderen. Diese Bewegung könnte auf einer Weltkarte sichtbar gemacht werden, die gleichzeitig als History fungiert.
Eine Verknüpfung mit Google Earth wäre denkbar. Entsprechend der Getreidemenge fliegt man über die Weltkugel.
Korrelierende Größen
Im ersten Schritt wird über die Getreidemenge ein Land ausgewählt, z.B. über die Getreideproduktion. Im zweiten Schritt wäre die Verknüpfung mit weiteren relevanten statistischen Werten interessant. Beispielsweise mit der »Größe der Häuser« oder dem »Happiness Level«. Diese könnten – beispielsweise über Piktogramme – auf den Weizen projeziert werden.
Navigiert man im weiteren Verlauf zu anderen Ländern, kann man feststellen, ob beide Größen parallel wachsen, also korrelieren oder nicht. Welche Werte zu einem konkreten Wert sehr wahrscheinlich in Korrelation zueinander stehen, lässt sich über nationmaster.com recht gut abfragen.

Jahreszahlen

Agricultural Production: Cereals, total production (http://earthtrends.wri.org)
Statistische Daten ändern sich nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Jahr zu Jahr. Durch das Rieseln des Getreides könnte man sich auch durch die unterschiedlichen Jahre eines Landes bewegen.
Kalorien

(http://www.fettrechner.de)
In der Anwendung sind nicht nur Erntespezifische Daten denkbar, sondern beispielsweise auch Ernährungsdaten. Will man den Pro-Kopf-Kalorienverbrauch vermitteln, könnte der Kalorienwert der Getreidemenge berechnet werden, die 1:1 den entsprechend durchschnittlichen Kalorienverbrauch darstellt.