Adobe Design Achievement Award (ADAA) 2013 – Marc Nonnenmacher

ADAA 2013 – Marc Nonnenmacher

Und schon wieder ein Award für Marc Nonnenmacher!
Mit seiner Masterarbeit "Causal Timelines" räumt der ehemalige Student diesmal einen begehrten Adobe Design Achievement Award (ADAA) in der Kategorie Installation Design ab. Die Kategorie gehört neben den drei weiteren Bereichen Information Design, Game Art and Development und Digital Publishing zum Hauptsegment Interactive Experience Media.
http://www.adobeawards.com/us/

Wir gratulieren!

Interview mit Marc Nonnenmacher

Hallo Marc, wir gratulieren Dir zum Adobe Design Achievement Award, Deiner nun bereits dritten Auszeichnung für Dein Projekt "Causal Timelines"!


>>> Wie bist Du genau auf diese Projektidee gekommen?

"Die Idee zu dem Projekt entstand aus der Leidenschaft für komplexe Informationsvisualisierungen und deren schwere Zugänglichkeit für den Rezipienten. Da weltpolitisch schwierige Themen ein gewisses Maß an Anstrengung und Interesse für das Verständnis solcher vorraussetzen, war es nötig den Benutzern einen alternativen Zugang zu solchen Informationen zu geben. Natürlich macht es erstmal mehr Spaß eine Schnur in die Hand zu nehmen, um sich spielerisch durch die Geschichte der Währungspolitik und Wirtschaftskrisen zu navigieren, als ein tausendseitiges Buch zu lesen. Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich dass der einzigst gemeinsame Nenner in der Weltpolitik die Chronologie ist. Daher war es naheliegend die Themen an "Timelines" aufzuziehen. Eine Schnur als alternatives Interface zu verwenden war für mich dann konsequent und auch notwendig, da ein auf die Darstellung und das Thema abgestimmtes Interface wesentlich intuitiver ist als Maus und Tastatur."

>>>Wie bist Du dabei vorgegangen?

"Da es vor dem Projekt für mich keine Timelines für Weltpolitik mit Schnurinterface gab, war ich gezwungen erstmal die literarischen Standardwerke für Wirtschaftssysteme, Währungs-, und Nahostpolitik zu lesen. Nachdem mir dann noch einige Experten auf Vorträgen und privaten Audienzen inhaltlich Nachhilfe in Sachen Weltpolitik gaben, schrieb ich mein ganzes angeeignetes Wissen nieder und erkannte schnell beim herunterbrechen der Komplexität der Materie den roten Faden aller Themenblöcke. Der zeitliche Aspekt in meinen Skripten. Der rote Faden an dem ich mich tagtäglich entlang hangelte, um die Informationsarchitektur des Projekts aufzubauen, wandelte sich schließlich auch noch in ein Interface, aus dem eine reaktive Schnur als Steuerung hervorging. Die Gestaltung der grafischen Oberfläche und das physikalische Interface inspirierten sich so gegenseitig. "

>>>Was hat Dich besonders fasziniert?

"Wieviel Lernpotenzial aus Leidenschaft erwachsen kann. Sowohl thematisch, als auch handwerklich."
 

Zu Deinem Werdegang:
>>>Wenn man Deine Projekte betrachtet, bekommt man den Eindruck, Du müsstest bereits seit frühster Kindheit angefangen haben zu programmieren... Ist das so?

"In meiner Kindheit hab ich Algorithmen eher benutzt als geschrieben."

 >>>Wann und wie hast Du angefangen zu programmieren?

"Mit dem Programmieren bin ich erst in der zweiten Hälfte meines Studiums in Berührung gekommen. Für mich war und ist es immer interessant Fremdes auszuprobieren und Neuland zu entdecken."

 >>>Warum interaktive Medien? Was fasziniert Dich daran?

"Interaktive Medien bestimmen schon jetzt unser Leben, und werden es später noch viel mehr. Ich denke als Gestalter ist es Pflicht sich mit den Themen in irgendeiner Form auseinanderzusetzen. Physikalisches Wachstum ist begrenzt, digitales Wachstum in der Theorie erstmal unendlich. Das digitale Wachstum lässt sich auch nicht mehr aufhalten. Also wird es in Zukunft immer mehr darum gehen sinnvolles zu entdecken und von sinnfreiem zu filtern. Auch wenn digitale Medien eine geringere Halbwertszeit aufweisen, und und sich die Menschen in der sich beschleunigenden medialen Welt nach Ruhepolen sehnen, sind die Vorteile interaktiver Gestaltung nicht von der Hand zu weisen. Und auch wenn es erstmal weh tut, begreift man schon nach kurzer Zeit die Möglichkeiten interaktiver Gestaltung. Interaktive Medien haben auch eine ganz andere Wirkung auf Menschen als andere Medien. Wer mal eine Oculus Rift in den Händen hatte weiß um die bestechende Wirkung von interaktiven Medien."

>>>Für unsere Erstis oder unteren Semester: Welche Programmiersprachen muss man können, um so tolle Sachen zu machen?

"Java langt voll und ganz. Die zahlreichen Libraries für Processing helfen dabei immens."

Im Hier und Jetzt:
>>>Was machst Du derzeit?

"Ich bin selbstständig und arbeite hauptsächlich mit dem Forschungszentrum Design und Systeme in Würzburg zusammen."

..und in Zukunft:
>>>Wie sehen Deine nächsten Pläne aus?

"Mich beruflich auszutoben, Neues auszuprobieren, Neues zu lernen, interessante Projekte zu verfolgen, und den einen oder anderen gestalterischen Herzenswunsch zu realisieren."

>>>Hast Du einen Tipp für die nächste Generation/unserer Erstis/Anfänger in Sachen interaktive Medien?

"Bloß keine Angst vor interaktiven Medien haben. Einfach mit der Machete durch den Algorithmen-Busch schlagen. Sich es nicht zu bequem machen. Man findet immer jemanden der einem bei Problemen behilflich sein kann. Hinterher ist man immer selbst überrascht, wie weit man ein Projekt treiben kann."



Causal Timelines

Die Themen der Arbeit sind aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie eine unkontrollierte Finanzindustrie, EU-Krise, Wirtschaftssystem, Geldsystem, Energiequellen, Politik, neue Formen des Imperialismus, aber auch der Mensch in einer sich wandelnden Gesellschaftsform. Der Anspruch der Arbeit ist zum einen weltpolitische Aufklärung zu leisten, und komplexe Informationen innovativ und leicht verständlich aufzubereiten. Die Themen sind an Hybriden zwischen Kausalkette und Timeline angehängt, und erzählen in chronologisch und kausaler Reihenfolge Entwicklungen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart, und geben mehrere mögliche zukünftige Szenarien in Aussicht. Am Ende der kausalen Timeline ist auch jeweils ein wünschenswertes Zukunftszenario, wie zum Beispiel ein visionäres Modell eines visionären Wirtschaftsystems. Das intuitive Interface ist dabei eine reale Schnur, mit der man die virtuelle Schnur der Timeline steuert. So kann der Benutzer sich frei im 3D-Datenraum von der Vergangenheit durch die Informationen in die Zukunft ziehen.